„Call for Papers“ /​Bitte um Beiträge zur Tagung

Empirische Polizei­for­schung XXII:

„Demokratie und Menschenrechte – 

Heraus­for­de­rungen für und an die polizeiliche

Bildungs­arbeit“

Münster, 5. – 7. Juli 2018

Die politische Grund­ordnung Deutschlands ist geprägt durch die Verpflichtung aller staat­lichen Gewalt, die Würde des Menschen zu achten und zu schützen, Gleich­be­rech­tigung zu fördern und Diskri­mi­nierung zu verhindern, Freiheits­rechte zu wahren und demokra­tische Teilhabe zu fördern. Eine zentrale Aufgabe der Polizei ist dabei im Rahmen des staat­lichen Gewalt­mo­nopols der Schutz der freiheitlich-​demokratischen Grund­ordnung. Sie ist unter anderem gefordert, politischen Extre­mismus zu erkennen und die damit verbundenen Straftaten zu verfolgen, gruppen­be­zogene Menschen­feind­lichkeit sowie darauf bezogene Kriminalität zu bekämpfen, Menschen­rechte zu achten, zu schützen und zu gewährleisten. – Diese normativen Forde­rungen sind unstrittig, doch schwierig gestaltet sich mitunter deren Umsetzung. Nicht erst in den Parla­men­ta­rischen Untersuchungsausschüssen rings um den NSU-​Skandal wurde festge­stellt, dass im Umgang mit (in diesem Fall Rechts-)Extremismus und Terro­rismus organi­sa­tionale, aber vor allem auch Erkenntnis- und Wissens­de­fizite bei handelnden Akteuren zu beklagen waren. Und auch nach besonderen Vorkomm­nissen wie z.B. der Kölner Silves­ternacht 201516 oder den links­mo­ti­vierten Hamburger G-​20-​Ausschreitungen 2017 wurden der Polizei Vorwürfe gemacht, Risiken falsch eingeschätzt zu haben. Unter anderem wurden Bildungs­de­fizite innerhalb der Polizei dafür verant­wortlich gemacht.

Polizei­liches Handeln bedarf zweifellos guter Einsatz­planung, einer passenden Strategie und Taktik und zielgenauer Führung. Aber die Polizei muss zur Klärung ihres Auftrags und Selbstverständnisses sowie zur ganzheit­lichen Beurteilung von Einsatzanlässen (im Kontext von z.B. Demons­tra­tionen oder zur Straf­ver­folgung) auch über Bildung, Wissen und Kompe­tenzen verfügen, welche das Verständnis politischer, gesell­schaft­licher, weltan­schau­licher und religiöser Hintergründe von Einsatzanlässen ermöglichen und fördern. Zudem gilt es, Polizis­tinnen und Polizisten als demokra­tische und die Menschen­rechte achtende Persönlichkeiten zu bilden. Dies alles erfordert eine i.w.S. politische Bildung, die sowohl in der Polizei­aus­bildung, aber auch in der Fortbildung innerhalb und außerhalb der Organi­sation angeboten wird oder angeboten werden kann.

In der Jahres­tagung der Empirischen Polizei­for­schung sollen

  • die Grundlagen und Ziele einer der Demokratie und den Menschen­rechten verpflichteten Bildungs­arbeit für die Polizei,
  • die Bedarfe und Bedürfnisse zur Aus- und Fortbildung in der Polizei bzw. für die Polizei,
  • metho­dische und didak­tische Grundlagen und Konzepte einer Bildungs­arbeit zu den Themen­be­reichen Politischer Extre­mismus, gruppen­be­zogene Menschen­feind­lichkeit, Menschen­rechte und historisch-​politische Bildung sowie
  • Analysen zur Wirkung der politischen /​histo­rischen Bildung
    betrachtet werden. Zudem gilt es die Bildungs­arbeit beein­flussende Faktoren wie z.B.
  • Lernmo­ti­vation und Akzeptanz der Themen­stel­lungen,
  • zeitliche, personelle und finan­zielle Ressourcen für Bildungs­arbeit oder
  • die curri­culare Einordnung in Studienpläne und Ausbil­dungs­konzepte zu analy­sieren.

    Die XXII. Tagung zur Empirischen Polizei­for­schung diskutiert diese und weitere Aspekte der politischen Bildung für die Polizei und lädt mit diesem Call for Papers dazu ein, Vorschläge zum Programm einzureichen.

    Willkommen sind – wie üblich – theoretisch und/​oder empirisch fundierte Beiträge aus den Sozial-​, Geistes-​, Rechts- und Polizei­wis­sen­schaften, von Polizeipraktiker/​innen aus den unter­schied­lichen Behörden etc., aber auch anderen im Themen­bereich handelnden Akteuren, z.B. von Gewerk­schaften, Menschen­rechts­or­ga­ni­sa­tionen, Stiftungen oder anderen Bildungsträgern.

    Die Tagung ist einge­bunden in das Projekt „Politische Bildung und Polizei“, welches gemeinsam von der Bundes­zentrale für politische Bildung, der Deutschen Hochschule der Polizei und der Fachhoch­schule für öffentliche Verwaltung NRW durchgeführt wird

Die Tagungsreihe „Empirische Polizei­for­schung“ versteht sich tradi­tionell als Gelegenheit des Zusam­men­treffens von Polizei­prak­tikern und Polizeiwissenschaftlern.

Zur Vorbe­rei­tungs­gruppe gehören Hans Asmus, Rafael Behr (Akademie der Polizei Hamburg), Bernhard Frevel (Fachhoch­schule für öffentliche Verwaltung NRW/Westfälische Wilhelms-Universität Münster), Hermann Groß (Hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung), Astrid Jacobsen (Polizei­akademie Nieder­sachsen), Karlhans Liebl, Anja Mensching (Ostfalia Hochschule für angewandte Wissen­schaften) und Peter Schmidt (Landespolizeipräsidium Hessen).

Die Tagung findet vom 5. – 7. Juli 2018 an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster statt. Die Tagungsbeiträge werden in Buchform (Schrif­tenreihe „Schriften zur Empirischen Polizei­for­schung“, Verlag für Polizei­wis­sen­schaft) veröffentlicht.

Bitte reichen Sie Ihre Vorschläge in Form von Abstracts (im Umfang von max. 2 Seiten) per E-​Mail bis spätestens 31. Januar 2018 ein bei:

Bernhard Frevel und Peter Schmidt