Über „Täter“ und „Opfer“ in der Demokratie

Koope­ra­ti­ons­tagung der Akademie Führung und Kompetenz am Centrum für angewandte Politik­for­schung München (CAP), des Gesell­schafts­wis­sen­schaft­lichen Instituts München für Zukunfts­fragen und des Netzwerks Politische Bildung Bayern.

Wann? Dienstag, 18. Oktober von 14.0021.30 Uhr

Wo? Centrum für angewandte Politik­for­schung München Maria-​Theresia-​Straße 2181675 München

Wer? Wissenschaftler/​innen aus den Sozial- und Gesell­schafts­wis­sen­schaften Praktiker/​innen aus der Politischen Bildung Vertreter/​innen aus der Zivil­ge­sell­schaft Inter­es­sierte Bürger/​innen, Politiker/​innen und Journalist/​innen

Was? Vorträge, Diskus­sionen und Workshops
Kosten? Freiwilliger Unkos­ten­beitrag für das Catering

Call for papers? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge für Vorträge /​Workshops, die bis zum 30. Mai einge­reicht werden können (12 Seiten).

Anmeldung? Teilnehmer/​innen können sich zum 23. September anmelden

Kontakt? Dr. phil. Karin B. Schnebel (karin.​schnebel@​gimuenchen.​de)

Gerade im Zusam­menhang mit der Flücht­lings­thematik kann eine Eskalation des politischen Streits festge­stellt werden. Exemplarisch lässt sich dies an den sich verhär­tenden Fronten zwischen PEGIDA auf der einen Seite und zivil­ge­sell­schaft­lichen Akteuren einer Willkom­mens­kultur auf der anderen Seite verdeut­lichen. Vergleicht man beispielsweise die Einträge auf den Facebook­seiten von PEGIDA und PEGIDA#watch zeigt sich nicht nur eine klare Abwertung der jeweils anderen Gruppierung, sondern auch ein starker Hang zur Selbst­ge­rech­tigkeit und zur Diskre­di­tierung des „Feindes“. Dies entspricht, folgt man dem Konflikt­forscher Friedrich Glasl, bereits der fünften Eskala­ti­onsstufe bei Konflikten (siehe Abbildung). Der Politik­wis­sen­schaftler Helmut Däuble sieht vor diesem Hintergrund die Gefahr, dass sich bis in die Familien hinein „politischer Zwist verschärft, dass die Gesell­schaft sich zunehmend spaltet, polarisiert und politisch radika­lisiert.“ Beispielhaft sei hier eine PEGIDA-​Demonstrantin zitiert, die in einer vom Göttinger Institut für Demokra­tie­for­schung geführten Gruppen­dis­kussion äußerte: „Was mich vor Weihnachten sehr, sehr, also bis ins Mark getroffen hat, dass unsere eigene Tochter, promo­vierte Akade­mikerin, also völlig entsetzt war, dass wir zu Pegida gehen. Und sie uns erzählt hat, sie nimmt dort an dieser staatlich organi­sierten Gegendemo teil.“ Bemer­kenswert ist in diesem Zusam­menhang, dass sich beide Seiten der Konflikt­gegner oftmals als diskri­mi­niertes „Opfer“ der jeweils anderen Seite empfinden, gegen die man sich zur Wehr setzen
müsse. Insbe­sondere den Medien wird hierbei von beiden eine einseitige Bericht­er­stattung unter­stellt, welche die Meinungs­freiheit und letztlich auch die Demokratie untergrabe. Betrachtet man die inhaltliche Seite der Flücht­lings­thematik, lässt sich oftmals ebenfalls eine Täter-​Opfer-​Sprache identi­fi­zieren. Sei es, wenn die Mehrheits­ge­sell­schaft Minder­heiten vorwirft, diese wollten einen ohnehin nur ausnutzen und seien gar nicht bereit, sich zu integrieren oder wenn Minder­heiten der Mehrheits­ge­sell­schaft pauschal den Vorwurf machen, diese würde sie diskri­mi­nieren und ablehnen. Eskala­ti­ons­stufen nach Friedrich Glasl Und auch bei dem Thema „Politik­ver­dros­senheit“ finden sich Hinweise darauf, dass viele Bürger/​innen hier in einer Täter-​Opfer-​Logik denken, beispielsweise wenn die eigene Ohnmäch­tigkeit gegen „die da oben“ thema­tisiert wird oder gar Verschwö­rungs­theorien heran­gezogen werden. Umgekehrt sehen sich wiederum auch Politiker/​innen als Opfer einer pauschalen Verun­glimpfung ihres Berufs­standes und unfairer öffent­licher Angriffe. Woher aber kommt die Tendenz, in der Demokratie von Tätern und Opfern zu sprechen? Und lassen sich mit diesen Begriffen politische Phänomene in der Demokratie angemessen beschreiben? Finden sich derartige Denkstrukturen auch in der politischen Philo­sophie und lassen sie sich demokra­ti­e­theo­retisch verorten? Wo haben wir es in der Demokratie wirklich mit Täten und Opfern zu tun? Und wo ist die Verun­glimpfung der anderen als Täter und die Selbst­in­sze­nierung als Opfer nur ein Mittel in der politischen Ausein­an­der­setzung? Welche Gefahren liegen in der Täter-​Opfer-​Logik? Vernach­lässigt eine derartige Perspektive nicht gerade die für politische Entschei­dungs­prozesse oftmals typischen Dilemmata? Und nicht zuletzt: Wie kann in der politischen Bildung mit dieser Thematik umgegangen werden? Wir freuen uns darauf, mit Ihnen diese und weitere Fragen zu diskutieren!

Call for Papers

Tagung Empirische Polizeiforschung XIX

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Hochschule der Polizei

„Bologna und die Folgen für die Polizeiausbildung“

Münster-Hiltrup – 18. – 20. Juni 2015

 


 

Nur in wenigen hochschulischen Bildungsgängen wurden die mit dem Bologna-Prozesseingeläuteten Umstrukturierungen zum System mit Bachelor und Master, mitkompetenzorientierten Lernzielen, mit Modulen und Creditpoints nicht umgesetzt.Während sich noch einige kleine Inseln mit Staatsprüfungs- oder Diplom-Abschlüssenfinden, ist das akademische „Festland“ durch „Bologna“ geprägt. Auch im Bereich derPolizeiausbildung wurde – bis auf wenige Ausnahmen, hier: Bayern und Saarland – dasSystem umgesetzt. Die Polizei-Fachhochschulen, die FHen für öffentliche Verwaltungund auch die Polizeiakademien setzen auf den Bachelor – und die Deutsche Hochschuleder Polizei baut im System mit dem Master sowie der Promotion auf.

Bereits 2006 fand die damals 9. Jahrestagung der Empirischen Polizeiforschung zumThema „Stand und Perspektiven der Polizeiausbildung“ statt und betrachtete die sichabzeichnenden Umbrüche. Genau zehn Tagungen später gilt es zu schauen, was sichzwischenzeitlich getan hat, wie dies zu bewerten ist und welche Schlussfolgerungen fürdie künftige Polizeiausbildung zu ziehen sind.

Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang genug, zum Beispiel

• zur Pluralisierung der Hochschulformen mit internen FH Polizei, FH für öffentlicheVerwaltung und Polizeiakademien sowie externalisierten Fachhochschulen, DHPolund universitären Weiterbildungsstudiengängen (z.B. Bochum und Hamburg),

• zu den Inhalten im Spannungsfeld von Studium und Berufsausbildung, zuGeneralisten- oder Spezialisten-Studiengängen (z.B. Kriminalwissenschaften,Führungsfragen), zum Verhältnis von Theorie und Praxis und dem Hinterfragen derThesen zur Professionalisierung und Akademisierung der Polizei,

• zu den Gestaltungen des Polizeistudiums mit Modularisierung undKompetenzorientierung, ECTS, Selbststudium und Thesis,

• zu Gestaltungsalternativen für die Polizeiausbildung jenseits der „klassischen“Modelle,

• zu den Evaluations- und Akkreditierungsergebnissen der Studiengänge – und dendaraus gezogenen Schlussfolgerungen,

• zum Selbst- und Fremdbild von Studierenden (eher PK oder B.A.?) und Lehrenden(Polizeiausbilder/in oder Hochschullehrer/in),

• zur Employability der Absolvent/innen,

• zum Vergleich der Polizeiausbildung und des Polizeistudiums mit anderen Ländernwie England, den Niederlanden etc.

• zur Bedeutung und Wirkung des Polizeistudiums im Polizei-Laufbahnrecht (2- vs.3-geteilte Laufbahn, Master-Abschlüsse und höherer Dienst),

• zur Einbindung oder Abgrenzung von Studiengängen für die Sicherheitswirtschaftan Polizei ausbildenden Hochschulen,

• zu den hochschulinternen Wirkungen der Bologna- und weitererHochschulreformen mit z.B. dem Forschungsauftrag der Hochschulen oder der WBesoldung,• zum Verhältnis von Wissenschaft und Polizei, im Sinne vom Nutzen derWissenschaft für oder der (Aus-)Nutzung der Wissenschaft durch die Polizei,

• zur Frage, ob durch mehr wissenschaftsbasiertes Studium für die Polizei vielleichtauch eine Polizeiwissenschaft entsteht / entstehen kann.

Die XIX. Tagung zur Empirischen Polizeiforschung diskutiert diese und weitere Fragenzu Polizeiausbildung und -studium und lädt mit diesem Call for Papers ein, Vorschlägezum Programm einzureichen.

Willkommen sind – wie üblich – theoretisch und/oder empirisch fundierte Beiträge ausden Sozial-, Geistes- Wirtschafts- (Organisations- und Führungslehre) undRechtswissenschaften, von Polizeipraktiker/innen aus den unterschiedlichen Behördenetc., aber auch aus dem i.w.S. polizeipolitischen Bereich, z.B. der Gewerkschaften undFachverbänden.

Die Tagungsreihe „Empirische Polizeiforschung“ versteht sich traditionell alsGelegenheit des Zusammentreffens von Polizeipraktikern und Polizeiwissenschaftlern.

Zur Vorbereitungsgruppe gehören Rafael Behr (HdP Hamburg), Bernhard Frevel(FHöV NRW/Uni Münster), Hermann Groß (HfPV Hessen), Karlhans Liebl (FH derPolizei Sachsen), Anja Mensching (Ostfalia Hochschule) Thomas Ohlemacher (zzt.Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport/Uni Hildesheim) und HansAsmus.

Die Tagung findet statt vom 18.-20.6.2015 in Münster-Hiltrup. Die Tagungsbeiträgewerden in Buchform (Schriftenreihe „Schriften zur Empirischen Polizeiforschung“,Verlag für Polizeiwissenschaft) veröffentlicht.

Bitte reichen Sie Ihre Vorschläge in Form von Abstracts (im Umfang von max. 2Seiten) per E-Mail bis spätestens 31. Januar 2015 ein bei:

bernhard.frevel@fhoev.nrw.de